
Wie hältst du es mit Gott?
Die ersten Christen riskierten für ihren Glauben Verfolgung und sogar den Tod. Doch wie steht es heute um unseren Mut, öffentlich zu Christus zu stehen? Darüber spricht Domvikar Msgr. Dr. Bernhard Kirchgessner in seinem Impuls zum Sonntag.
Wenn ich die frühchristliche Kirchengeschichte studiere, dann bewundere ich jedes Mal den Mut, den die frühen Christen besessen haben, die in gänzlich heidnischem Umfeld tapfer den christlichen Glauben bezeugten, wohlwissend, dass dies unter den römischen Kaisern Nero, Caligula und Diokletian vielen im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf kostete. Wir nennen diese Vorfahren im Glauben Märtyrer und sind überzeugt, dass sie nach dem Martyrium direkt in die Arme Gottes gelangten. Im heutigen Evangelium heißt es: „Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen.“ (Mt 10, 32)
Immer wieder höre ich, wie Christen ihres Glaubens wegen, ihrer Treue zur Kirche wegen, in der Fabrik, am Arbeitsplatz und im Freundeskreis zynisch angesprochen, als Hinterwälder abgestempelt und mit Aussagen wie diesen konfrontiert werden: „Ich habe noch nie Gott gesehen – Du etwa?“ Oder „Ich kann auch ohne Kirche an Gott glauben.“ Oder: „Ich gehe sonntags lieber spazieren als zur Kirche, das bringt mir mehr.“ Höre ich solches, kommt mir ein Bonmot von Loriot in den Sinn: „Man kann auch ohne Mops leben, aber es ist nicht sinnvoll. Ja, man kann ohne Gott, ohne Kirche leben, aber aus meiner Sicht ist es nicht sinnvoll.
Warum ist es sinnvoll sein Leben mit Gott zu gestalten, es an seinen Weisungen auszurichten? Gestatten Sie mir eine persönliche Antwort. Ob in den Höhen oder Tiefen meines Lebens, immer spürte und spüre ich Gott nahe. Auch ich habe ihn noch nie gesehen, ihm noch nie die Hand geschüttelt, ihn nicht direkt gehört, aber untrüglich seine Nähe gespürt. Gefühlsduselei? Mitnichten! So real wie Sie mich nun sehen und hören, so real war und ist er an meiner Seite. Ausgerüstet mit seiner Kraft vermag ich zu tun, was mir aufgetragen ist und was ich gern mache. Umfangen von seiner Liebe, kann auch ich ihn lieben. Zwar nie so, wie es seiner würdig wäre, doch zumindest nach den mir möglichen Kräften. Und dank seiner Liebe, die mir sagt, dass er ausnahmslos alle Menschen liebt, kann ich offen auf meine Mitmenschen zugehen und sie so annehmen, wie sie nun mal sind.
Das Evangelium dieses Sonntags stellt natürlich auch mir die Frage: Wie hältst du es mit Gott? Ja, ich glaube. Von Herzen gerne. Habe ich aber stets den Mut, diesen Glauben öffentlich zu bezeugen, für ihn einzutreten, wenn andere meinen, ihn verächtlich machen zu müssen? Kontere ich, wenn Gott gelästert wird oder ziehe ich lieber den Kopf ein, um nicht als uncool dazustehen?
Welche Kraft muss Petrus erfüllt haben, der des Glaubens wegen gekreuzigt wurde, so dachte ich jüngst an seinem Grab im Petersdom. Nun gut, im Gegensatz zu uns heute hat er Christus gekannt, mit ihm gelebt, ihn intensiv erfahren, was ihn allerdings auch nicht vor dem Versagen bei Jesu Verhaftung bewahrt hat. Schlussendlich aber war nach diesem kläglichen Versagen die Kraft des Glaubens und der Liebe stärker als alle Feigheit. „Stark wie der Tod ist die Liebe“, so heißt es im 8. Kapitel des alttestamentlichen Hohen Liedes. (Hld 8,4) * Ich kann Petrus, Paulus, Stephanus und die große Schar heiliger Märtyrer nur bitten, auch mir eine solche Glaubenskraft zu erflehen, die mich ermutigt, Christus zu bekennen und ihn nie zu verraten.
Domvikar Msgr. Dr. Bernhard Kirchgessner, Leiter Spectrum Kirche

