
Aschermittwoch 2026
Der Aschermittwoch ist ein Tag des doppelten Gesichts: Er markiert das jähe Ende der ausgelassenen Karnevals- und Faschingszeit und ist gleichzeitig der strenge, feierliche Beginn der 40-tägigen Fasten- oder Passionszeit, die auf das Osterfest hinführt . Er ist kein gesetzlicher Feiertag, aber im Christentum, insbesondere im katholischen, der liturgisch bedeutsamste Tag nach Karfreitag .
Im Folgenden wird der Aschermittwoch ausführlich anhand seiner Terminierung, Herkunft, zentralen Rituale, konfessionellen Unterschiede und kulturellen Ausprägungen dargestellt.
1. Der bewegliche Termin
Der Aschermittwoch hat kein festes Datum, da er sich vom Osterfest ableitet. Ostern wird bekanntlich am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert. Zählt man von Ostersonntag 46 Tage zurück (siehe Erklärung zur 40-Tage-Zählung), landet man am Aschermittwoch.
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Frühester möglicher Termin: 4. Februar
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Spätester möglicher Termin: 10. März
2. Der Name und seine Herkunft
Der Name leitet sich direkt vom zentralen Ritual dieses Tages ab: dem Bestreuen mit Asche oder dem Zeichnen eines Kreuzes mit Asche .
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Alttestamentliche Wurzel: Die Tradition, Asche als Zeichen der Trauer, Buße und Reue auf das Haupt zu streuen, ist tief in der Bibel verwurzelt (z.B. Ijob 42,6 oder der König von Ninive in „Sack und Asche“) .
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Frühe Kirche: Seit der Spätantike (ca. 4.-6. Jahrhundert) begann am Aschermittwoch die öffentliche Kirchenbuße. Schwer gesündigte Christen, die exkommuniziert worden waren, mussten sich an diesem Tag barfuß, mit einem rauen Bußgewand bekleidet, vom Bischof mit Asche bestreuen lassen. Sie wurden aus der Kirche gewiesen und erst am Gründonnerstag wieder in die Gemeinschaft aufgenommen .
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Ausweitung auf alle: Im 10. und 11. Jahrhundert kam diese spezielle Form der öffentlichen Einzelbuße außer Mode. Papst Urban II. führte auf der Synode von Benevent (1091) offiziell ein, dass der Ritus nun auf alle Gläubigen ausgeweitet wird . Seit dem 12. Jahrhundert ist dieser Brauch in der gesamten Westkirche verbreitet .

3. Das zentrale Ritual: Das Aschenkreuz
Das Aschenkreuz ist das alles überragende Symbol des Tages und ein sogenanntes Sakramentale – ein sichtbares Zeichen, das den Alltag heiligen soll .
Die Asche:
Sie wird nicht aus beliebigem Holz gewonnen. Traditionell werden die Palmzweige (oder Zweige von Buchsbaum, Weide, Haselnuss) des vorangegangenen Palmsonntags verbrannt . Damit wird ein direkter Bogen vom Einzug Jesu in Jerusalem (Palmsonntag) zu seinem Leiden und Sterben (Karfreitag) gespannt. Die Asche wird im Gottesdienst mit Weihwasser gesegnet .
Die Austeilung:
Der Priester, Diakon oder ein beauftragter Laie zeichnet den Gläubigen ein Kreuz mit Asche auf die Stirn oder streut die Asche kreuzförmig auf den Scheitel. Dabei spricht er einen der beiden folgenden biblischen Appelle :
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„Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst.“ (Gen 3,19) – Dies ist der ältere Spruch. Er erinnert an die Vergänglichkeit, die Endlichkeit des Menschen und die Konsequenz der Sünde (Paradiesvertreibung) .
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„Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium.“ (Mk 1,15) – Dies ist der Aufruf zur aktiven Umkehr (griech. metanoia), zur Neuausrichtung des Lebens auf Gott hin. Dieser Spruch betont weniger den Tod, sondern die Chance auf Erneuerung .
Die Symbolik des Aschenkreuzes:
Das Zeichen ist vielschichtig und verbindet scheinbare Gegensätze:
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Buße & Reue: Symbol für den Willen, Fehler einzugestehen und den Weg zu korrigieren .
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Vergänglichkeit & Demut: Die Erinnerung an die Sterblichkeit („Memento mori“) soll nicht deprimieren, sondern zu einem bewussten und demütigen Leben führen .
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Reinigung: Asche wurde traditionell als Putz- und Reinigungsmittel verwendet. Sie steht metaphorisch für das „Reinwaschen“ von Schuld und Altlasten .
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Neubeginn & Auferstehung: Die Zerstörung des Alten (verbrannte Zweige) wird zum fruchtbaren Boden für Neues. Wie der Phönix aus der Asche verweist dieses Symbol bereits auf das Ziel der Fastenzeit: die Auferstehung Jesu an Ostern .
4. Die Fasten- und Passionszeit
Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Vorbereitungszeit auf Ostern.
Warum 40 Tage?
Die Zahl 40 hat in der Bibel eine hohe symbolische Bedeutung:
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Jesus: Fastete 40 Tage in der Wüste und wurde dort versucht .
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Mose: War 40 Tage auf dem Berg Sinai, um die Gebote zu empfangen .
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Elija: Wanderte 40 Tage zur Begegnung mit Gott .
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Israel: Zog 40 Jahre durch die Wüste ins Gelobte Land .
Die Rechnung:
Zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag liegen eigentlich 46 Tage. Da jedoch die Sonntage (insgesamt 6) nicht als Fasttage gelten (sie sind als „kleine Ostern“ freudige Herrentage), bleiben genau 40 Fasttage übrig .
Evangelisch vs. Katholisch:
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Katholische Kirche: Betont den Begriff „Fastenzeit“ und die leibliche Askese. Der Aschermittwoch und Karfreitag sind strenge Fast- und Abstinenztage. Das bedeutet: Nur eine sättigende Mahlzeit, zwei kleine Stärkungen und kein Fleisch . Die Verpflichtung zur Abstinenz (Fleischverzicht) gilt ab 14 Jahren, das Fastengebot (eine Mahlzeit) für 18- bis 59-Jährige .
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Evangelische Kirche: Bevorzugt den Begriff „Passionszeit“. Hier steht weniger der „Verzicht um des Verzichts Willen“ im Vordergrund, sondern die Besinnung auf das Leiden und Sterben Jesu (Passion). Die Haltung ist: Man muss sich Gottes Liebe nicht durch Entbehrungen verdienen. Es geht vielmehr darum, „was läuft schief bei mir oder um mich herum?“ . Bekannt ist die Aktion „7 Wochen Ohne“ .
5. Liturgische Gestaltung (Katholisch)
Die Liturgie am Aschermittwoch ist bereits ganz auf die nüchterne Fastenzeit ausgerichtet:
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Farbe: Die liturgische Farbe ist Violett, die Farbe der Buße, Besinnung und Vorbereitung .
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Rituale: Das „Gloria“ (Ehre sei Gott) und das „Halleluja“ entfallen in der Messe. Die Kirche schmückt sich schlichter, Altarbilder werden manchmal verhüllt .
6. Kulturelle und gesellschaftliche Bräuche
Über den rein kirchlichen Rahmen hinaus hat der Aschermittwoch starke Spuren in der Alltagskultur hinterlassen.
A) Das Ende des Karnevals/Fasching:
Der Aschermittwoch ist der Tag, an dem „alles vorbei ist“. Die Närrinnen und Narren legen ihre Kostüme ab, die Rathausschlüssel werden zurückgegeben . Ein beliebter Spruch dazu ist: „Aschermittwoch – Aus die Maus!“
B) Der Heringsschmaus:
Nach den fetten, fleischreichen Tagen des Karnevals (von „Karneval“ = carne vale = „Fleisch, lebe wohl“) ist der Aschermittwoch traditionell ein Tag des Fischgerichts. Der Heringsschmaus ist besonders in Österreich und Bayern ein fester Brauch. Der Fisch (griech. Ichthys) ist ein urchristliches Symbol für Jesus Christus .
C) Modernes Brauchtum: „Ash to Go“:
In den letzten Jahren hat sich ein neuer, niedrigschwelliger Brauch etabliert. In Großstädten (z.B. Wien, Linz, München) bieten Seelsorger das Aschenkreuz nicht nur in der Kirche, sondern auch an Bahnhöfen, in Fußgängerzonen oder sogar in Cafés an. Diese Aktion heißt „Ash to Go“ (angelehnt an „Coffee to go“) .
D) Der politische Aschermittwoch:
Eine rein weltliche, aber sehr prominente Tradition ist der „Politische Aschermittwoch“ . Er entstand im 19. Jahrhundert in Bayern (als Nebenerscheinung des Vilshofener Viehmarktes) und wurde 1919 erstmals vom Bayerischen Bauernbund als Parteiveranstaltung genutzt . Traditionell treffen sich heute vor allem CSU und SPD, aber auch andere Parteien, in bayerischen und österreichischen Gasthäusern und Bierzelten, um mit deftigen, oft polemischen Reden den Wahlkampf einzuläuten.
Zusammenfassung
Der Aschermittwoch ist weit mehr als nur der triste Tag nach dem Fest. Er ist ein komplexer Übergangsritus: Er beendet die ausgelassene Lebensart des Winters und öffnet das Tor zu einer Zeit der Konzentration. Die Asche auf dem Kopf ist keine Niederlage, sondern eine Startmarkierung für eine innere Neuausrichtung, die ihren Ziel- und Höhepunkt in der Osterfreude findet .

