
Josef, Hörer des Wortes!
Einen festlichen Gottesdienst zum vierten Advent feierte Bischof Dr. Stefan Oster SDB in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Ortenburg – gemeinsam mit den Gläubigen vor Ort sowie zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern, die die Feier live vor den Bildschirmen mitverfolgten.
In seiner Predigt stellte der Passauer Bischof das Zuhören als eine der grundlegendsten menschlichen und geistlichen Haltungen in den Mittelpunkt. „Einer der schönsten und wichtigsten Dienste, die Menschen einander erweisen können, ist, wenn wir einander wirklich zuhören“, sagte Oster. Gemeint sei ein aufmerksames, geduldiges Zuhören, das den anderen ernst nehme – auch in seinen Zwischentönen und Emotionen. Dieses Hören sei nicht selbstverständlich, sondern verlange innere Freiheit und Offenheit.
Zugleich machte der Bischof deutlich, dass echtes Gebet ohne diese Haltung nicht fruchtbar werden könne. Wer bete, müsse ein hörender Mensch sein – offen für Gottes Stimme. Damit schlug Oster den Bogen zur Gestalt des heiligen Josef, der im Evangelium des Tages im Mittelpunkt steht. Josef sei eine der meistverehrten Gestalten der Kirche, obwohl er in der Heiligen Schrift kein einziges Wort spreche. Gerade darin liege seine Größe: „Josef ist der Schweigende – aber als Schweigender ist er zugleich der Hörende“, so der Bischof.
Oster erläuterte eine Deutung der biblischen Szene, nach der Josef nicht aus Misstrauen, sondern aus Demut handle. Angesichts des großen Geheimnisses um Maria ziehe er sich zurück, weil er erkenne, dass hier Gott selbst am Werk sei. Josef höre auf Gottes Stimme – im Traum, durch den Engel – und gehorche. So werde er zum Vorbild eines Menschen, der gelernt habe, die verschiedenen Stimmen in seinem Inneren zu unterscheiden und Gott Raum zu geben.
Mit einem eindrücklichen Bild aus der Hirtenpraxis – dem sogenannten „Bummer Lamb“, einem verstoßenen Lamm – verdeutlichte Oster, was Glauben bedeute: sich von Gott rufen zu lassen und seine Stimme kennenzulernen. „Die Meinen kennen meine Stimme“, zitierte er aus dem Johannesevangelium. Gott komme den Menschen gerade an Weihnachten in größter Nähe entgegen – in Niedrigkeit und Demut –, damit sie Vertrauen fassen und seine Stimme im eigenen Leben wahrnehmen könnten.
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes übernahmen Organist Georg Bauer sowie das Vocalensemble Armonia Classica (SSA) unter der Leitung von Eugenie Erner.
Quelle: Bistum Passau

