
Maria Lichtmess (Darstellung des Herrn)
Der offizielle kirchliche Festtag heißt „Darstellung des Herrn“ (früher: Mariä Reinigung). Es ist ein sehr altes Fest, das 40 Tage nach Weihnachten gefeiert wird. Nach jüdischem Gesetz (3. Buch Mose) galt eine Frau nach der Geburt eines Sohnes 40 Tage als unrein und musste dann ein Reinigungsopfer darbringen. Gleichzeitig wurde der erstgeborene Sohn im Tempel „dargestellt“ (Gott geweiht). So kam Maria mit Jesus in den Tempel, wo der alte Simeon das Kind als „Licht zur Erleuchtung der Heiden“ pries (daher der Name „Lichtmess“).
Bräuche und Bedeutung:
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Lichterprozession: Die Gläubigen ziehen mit geweihten Kerzen in die Kirche. Diese Kerzen, „Lichtmesskerzen“, symbolisieren Christus als das Licht der Welt. Sie wurden früher (und teilweise heute noch) bei Unwettern, Geburten oder Sterbefällen angezündet, um Schutz zu erbitten.
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Ende der Weihnachtszeit: Lange Zeit war Lichtmess der offizielle Abschluss der Weihnachtszeit. Erst an diesem Tag wurden Krippen und Christbäume abgebaut. Der Spruch „Christbaum raus, bis Lichtmess!“ stammt daher.
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Bauernregeln und Wetterzeichen: Zahlreiche Bauernregeln ranken sich um diesen Tag, z.B. „Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz noch nicht so schnell.“
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Dienstbotentag: Lichtmess war ein wichtiger rechtlicher Termin im bäuerlichen Jahr. Die Dienstboten bekamen ihren Lohn ausbezahlt, konnten den Dienstherrn wechseln oder ihre Arbeitsstelle verlängern. Auch die „Schlenkeltage“ (kurze Freizeit) fielen darauf.
Maria Lichtmess: Mehr als nur Kerzen
Der 2. Februar markiert ein kosmisches und rechtliches Datum im traditionellen Jahr.
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Ein heidnisches Erbe? Lange wurde vermutet, Lichtmess gehe auf vorchristliche Licht- oder Reinigungsfeste (z.B. die römischen Lupercalia) zurück. Die Forschung sieht dies heute differenzierter. Die Kirche legte das Fest bewusst auf den 40. Tag nach Weihnachten (25. Dezember) gemäß dem jüdischen Gesetz. Der frühe Termin im Februar und die universelle Sehnsucht nach Licht im dunklen Winter führten jedoch zu einer kraftvollen Verbindung mit naturhaften Bräuchen.
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Der „Lichtmesstag“ als Zäsur: Bis 1912 war der 2. Februar in Bayern ein gesetzlicher Feiertag. Er teilte das Winterhalbjahr und war einer der wichtigsten Zahl- und Verdingtage. Knechte und Mägde erhielten ihren halbjährlichen Lohn, konnten den Hof wechseln oder ihr Arbeitsverhältnis um ein weiteres Halbjahr verlängern. Der Spruch „Zu Lichtmess fängt der Bauersmann, neu mit des Jahres Arbeit an“ unterstreicht dies. Auch Pachtverträge begannen oder endeten an diesem Tag.
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Bauernregeln und Wetterorakel: Die Dichte an Bauernregeln zu Lichtmess ist enorm. Sie zeigen, wie sehr dieses Datum als Wendezeit empfunden wurde:
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„Ist’s an Lichtmess hell und klar, ist der Winter noch ein Jahr.“
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„Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.“
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Viele dieser Regeln beziehen sich auf die Beobachtung von Tieren (z.B. Dachse oder Bären, die angeblich an Lichtmess ihren Schatten sahen – eine Parallele zum nordamerikanischen Groundhog Day).
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Das Ende der „Raunächte“: In manchen Regionen galt Lichtmess als der letzte Tag der mystischen Zeit, in der die Geister umgehen. Mit den geweihten Lichtmesskerzen konnte man Haus und Hof endgültig segnen und für das kommende Jahr schützen.
Der Blasiussegen: Vom Märtyrer zum Nothelfer
Die Popularität des heiligen Blasius ist bemerkenswert, denn historisch gesichert ist über ihn sehr wenig.
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Die Legende: Die bekannteste Erzählung ist die Rettung des Jungen mit der Fischgräte. Im Gefängnis besuchte ihn die Mutter des Jungen, und Blasius segnete das Kind. Daraus entwickelte sich sein Patronat für Halsleiden aller Art. Er ist aber auch Schutzpatron der Ärzte, Wollhändler, Musikinstrumentenmacher (wegen des Halses bei Saiteninstrumenten) und der Tiere (weil er, der Legende nach, wilde Tiere segnete).
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Die Verbreitung: Sein Kult verbreitete sich im Mittelalter vor allem durch das berühmte Geschichtswerk „Legenda Aurea“ (Goldene Legende). Da Halskrankheiten (wie Diphtherie, genannt „der Würgeengel“) eine der häufigsten und gefürchtetsten Todesursachen waren, wurde der Blasiussegen zu einem existenziellen Bedürfnis der Menschen.
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Die segnenden Kerzen: Die gekreuzten Kerzen sind ein zentrales Symbol. Sie bilden ein „X“, den griechischen Buchstaben Chi – das Christusmonogramm. Die Berührung des Halses mit den geweihten Kerzen ist ein sakramentales Zeichen: Das Licht Christi (von Lichtmess) soll den Leib vor Krankheit und das Leben vor plötzlichem, unversehenem Tod schützen.
Blasiussegen
Am 3. Februar ist der Gedenktag des heiligen Blasius, eines frühchristlichen Bischofs und Märtyrers († um 316). Die Verehrung ist seit dem Mittelalter stark verbreitet. Der Legende nach rettete Blasius einem Kind das Leben, das an einer Fischgräte zu ersticken drohte. Deshalb wird er als Schutzpatron gegen Halskrankheiten und alle Leiden des Halses angerufen.
Der Segen selbst:
Da der Blasiustag (3. Februar) direkt auf Lichtmess folgt, wurde es üblich, den Blasiussegen bereits am 2. Februar (nach den Lichtmess-Messen) zu spenden. Dazu werden zwei gekreuzte Kerzen (die oft von Lichtmess stammen) an den Hals des Gläubigen gehalten, und der Priester spricht:
„Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.“
Es ist ein Segen für Leib und Seele, der um Gesundheit und Schutz bittet.

Die tiefe Verbindung: Lichtmess und Blasius
Die liturgische Praxis, den Blasiussegen bereits am Vortag seines Festes (also am 2. Februar) zu spenden, ist kein Zufall. Sie zeigt ein geniales theologisches und pastoralpsychologisches Ineinander:
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Die Kerze als Bindeglied: Eine und dieselbe Kerze wird am Morgen zu Lichtmess als Symbol für Christus, das wahre Licht, geweiht. Stunden später dient sie als Werkzeug des Schutzes und der Heilung im Blasiussegen. Die Materie bleibt gleich, ihre symbolische Funktion weitet sich aus.
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Von der Theologie zur Lebenssorge: Lichtmess ist ein hohes Herrenfest (Fest zu Ehren Christi). Der Blasiussegen ist ein Ausdruck der Volksfrömmigkeit und Fürbitte. Die Kirche verbindet so das große Heilsgeschehen (Christus als Licht) mit den konkreten, oft angstbesetzten Nöten der Menschen (Krankheit, Tod).
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Der Wunsch nach Geborgenheit: Im dunklen, kalten Februar, wenn die Vorräte langsam knapp wurden und Seuchen grassierten, spendeten diese beiden aufeinanderfolgenden Feste Hoffnung und Trost. Das Licht wird gesegnet und dieses gesegnete Licht wird direkt als Schutz über die Schwachstelle des Halses gehalten – eine sehr sinnliche und berührende Glaubenspraxis.
Zusammenfassung in Stichpunkten:
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Datum: 2. Februar (Lichtmess/Darstellung des Herrn), Blasiussegen wird traditionell an diesem Tag gespendet.
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Kern Lichtmess: Abschluss der Weihnachtszeit, Lichtsymbolik (Kerzenweihe), rechtlicher Wendepunkt im Bauernjahr (Dienstbotenwechsel).
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Kern Blasiussegen: Schutzsegen gegen Halskrankheiten und plötzlichen Tod, basierend auf der Legende vom hl. Blasius.
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Geniale Verknüpfung: Die bei Lichtmess geweihten Kerzen werden für den Blasiussegen verwendet. So verbindet sich die Christus-Licht-Symbolik mit der konkreten Lebens- und Gesundheitsfürsorge.
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Heute: Beide Bräuche werden vor allem in katholischen Regionen noch sehr lebendig gepflegt. Sie sind ein geliebtes Stück gelebter Kultur, das Winterende, Lichtsehnsucht und den Wunsch nach Schutz in sich vereint.
Die Verbindung der Feste
Der 2. Februar vereint somit zwei Gedanken:
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Das Licht (Christus als Licht) – gefeiert mit der Kerzenweihe und Prozession.
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Den Schutz (vor Krankheit und Gefahr) – vermittelt durch den Blasiussegen mit eben diesen Kerzen.
Die geweihten Lichtmesskerzen werden also nicht nur als Symbol des Glaubenslichtes mit nach Hause genommen, sondern später auch als Mittel für den Blasiussegen und als Schutzzzeichen in schwierigen Situationen verwendet. Diese Verbindung macht den Tag zu einem besonders lebendigen und tröstlichen Brauchtumstag im winterlichen Februar.
Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie im katholischen Brauchtum das Kirchenjahr, Volksfrömmigkeit und der Alltag der Menschen (mit seinen Ängsten vor Krankheit und dem Hoffen auf den Frühling) ineinandergreifen.

